Mit unseren Launch Grants gibt es bis zu CHF 125.000 für ein Jahr, um ein Vorhaben auf den Weg zu bringen. Simon Jacoby von Tsüri teilt seine wichtigsten Learnings für die Aufbauphase: worauf es im ersten Jahr ankommt und wie genau er das Budget verteilen würde.

Wenn du heute CHF 125.000 zur Verfügung hättest, um ein frisch gegründet Medium für ein Jahr zu finanzieren: Wie würdest du das Budget planen?

Mit CHF 125.000 Startkapital muss das Geld primär in den Aufbau von wiederkehrenden Einnahmen fließen, damit man nach 12 Monaten nicht pleite ist. Basierend auf meiner Aufteilung für ein Jahresbudget würde ich den Schwerpunkt wie folgt setzen:

Der größte Teil fließt in Personal (Redaktion und Business Development/Verlag zwingend im Verhältnis 1:1, da es ohne Einnahmen auch keine redaktionelle Power gibt). Den Rest teile ich auf in IT-Infrastruktur (Website, Newsletter-Tool, CRM, Payment Service Provider, ca. CHF 15k–20k), Marketing & Growth für Community-Aufbau (ca. CHF 10k–15k) sowie Fixkosten wie Buchhaltung und Events (ca. CHF 20k). Da die Gesamtausgaben das Förderbudget leicht übersteigen werden, müssen möglichst schnell Einnahmen generiert werden.

Wie würdest du entscheiden, worauf du dich in den zwölf Monaten konzentrierst – und was würdest du bewusst nicht machen?

Worauf ich mich konzentriere:

  1. Fokus auf 2–3 Kernthemen, die die Zielgruppe wirklich bewegen (in Zürich sind das z. B. Wohnen und Mobilität) – alles andere wird beliebig.
  2. Ein täglicher Newsletter als eigenständiges, hochwertiges Format für einen direkten Draht zur Zielgruppe.
  3. Echte Community-Begegnungen und Anlässe (Stadtspaziergänge, Podien) auf Augenhöhe.

Was ich bewusst nicht mache:
Ich verzichte komplett auf eine fancy App oder eine überdimensionierte Website. Zudem berichte ich nicht "von allem ein bisschen". Redaktionell und geschäftlich sage ich Nein zu allem, was nicht direkt zur Reichweite, Community-Bindung oder finanziellen Stabilität beiträgt.

Was würdest du möglichst früh testen, bevor Zeit und Geld in die Umsetzung fließen?

Ich würde von Anfang an mit einem Crowdfunding starten. Das dient nicht nur dem Geldsammeln, sondern ist der beste Test für die Marktfähigkeit: Über lokale Communitys und Peers testet man sofort, ob Menschen bereit sind, für das Angebot zu bezahlen (wichtig: Verkaufe dabei direkt Abos/Mitgliedschaften, nicht nur einmalige Spenden!). Zudem würde ich sehr früh testen, ob Werbeflächen im Newsletter und Sponsoring-Konzepte für Events von Werbepartnern angenommen werden.

Deine drei wichtigsten Learnings aus der Aufbauphase von Tsüri, die du weitergeben möchtest:

  1. Redaktion und Verlag müssen 1:1 wachsen: Die unbequeme Wahrheit ist: Ohne Geld geht es nicht. Mehr Einnahmen bedeuten mehr redaktionelle Power. Viele Gründer:innen vernachlässigen den Verkauf – aber Verkehre, Mitgliederwerbung und Sponsorings sichern das Überleben.
  2. Kein Medium ohne Community: Kommuniziere auf Augenhöhe, sei mit deinem Gesicht präsent und schaffe echte Begegnungen (Events, Austausch). Das schafft eine Loyalität, die keine Plattform-Algorithmen ersetzen können.
  3. Nutze direkte Kanäle statt verstreuter Inhalte: Ein guter Newsletter ist keine Link-Schleuder, sondern ein eigenes Produkt. Er baut eine verlässliche, direkte Beziehung auf, ohne dass man von externen Apps oder sozialen Medien abhängig ist.

Zuletzt aktualisiert: 4. September 2026

Weitere Artikel